Pressemitteilung
Stuttgart, 18.10.2026
„Dass ein Verlag einen bereits angekündigten Roman zurückzieht, weil eine fiktive Liebesgeschichte nicht in das politisch erwünschte Freund-Feind-Schema passt, ist ein kulturpolitisches Armutszeugnis.” Mit diesen Worten kritisiert der kulturpolitische AfD-Fraktionssprecher Uwe von Wangenheim MdL den Verzicht des Sindelfinger Molino Verlags auf die Veröffentlichung des Romans „Wer ich bin, wenn du mich siehst“ von Juna Liebrecht nach massiven Protesten in sozialen Netzwerken. Der Roman schildert die Beziehung zwischen einer ukrainischen Zivilistin und einem russischen Soldaten im besetzten Cherson. Kritiker werfen ihm eine Romantisierung des Krieges vor. Die Autorin bestreitet diese Absicht. Der Verlag spricht von einer möglicherweise organisierten Protestaktion.
“Literatur lebt gerade davon, menschliche Beziehungen jenseits politischer und militärischer Frontlinien auszuloten. Wer das für unzulässig erklärt, verwechselt Dichtung mit Propaganda. Niemand muss dieses Buch mögen. Jeder darf es kritisieren. Aber über ein literarisches Werk sollte gestritten werden können, nachdem es gelesen wurde – nicht allein aufgrund eines Ankündigungstextes. Dass die Autorin selbst den Rückzug wünscht, zeigt vor allem, wie groß der öffentliche Druck geworden ist. Eine freiwillige Entscheidung unter solchen Umständen ist noch kein Beweis kultureller Freiheit. Die Literaturgeschichte ist voller Beziehungen zwischen Menschen, die einander nach den Maßstäben ihrer Zeit nicht lieben durften. Gerade darin liegt ihre Erkenntniskraft. Wenn heute schon die Darstellung einer solchen Beziehung als moralischer Fehltritt gilt, wird aus Literatur eine Gesinnungsprüfung. Die Freiheit der Kunst bewährt sich nicht an gefälligen Geschichten, sondern an denen, die Widerspruch hervorrufen.”


