Dieses Jahr jährte sich zum 40sten Mal der Mord an Hans-Martin Schleyer und seinen Begleitern. Am 5. September 1977 um 17.28 Uhr wurde Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer in Köln entführt. Ein gelber Mercedes-Benz blockierte die Fahrzeugkolonne Schleyers, mehrere Terroristen eröffneten das Feuer. Schleyers Fahrer Heinz Marcisz und die Polizisten Reinhold Brändle (41), Helmut Ulmer (24) und Roland Pieler (20) von der Stuttgarter Polizei starben im Kugelhagel der Terroristen. Der getötete Hanns-Martin Schleyer wurde nach 44 Tagen im Kofferraum eines Autos im französisch-belgischen Grenzgebiet gefunden.
Es war ein Mord, der die Bundesrepublik Deutschland veränderte. Auch in anderen Ländern wurden von Linksterroristen Morde begangen. Besonders Italien wurde in diesen Jahren von Attentaten erschüttert. Hier wurden Repräsentanten des Staates und unserer Gesellschaftsordnung entführt und ermordet.
Eine bemerkenswerte Ähnlichkeit gibt es bei der Entführung und dem Mord am ehemaligen Ministerpräsidenten Italiens und Vorsitzenden der Christdemokraten, Aldo Moro. Die Ähnlichkeit der Fotografien der beiden Gefangenen Aldo Moro und Hans-Martin Schleyer sind verblüffend. Dargestellt wurden beide vor der Fahne der Terroristen und mit einer Tageszeitung bzw. einem Plakat mit Datum in der Hand. In Italien wurde in den 90er Jahren versucht, diesen Mord durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse aufzuarbeiten. Hierbei wurde bekannt, dass Pannen und Zwischenfälle die Ergreifung der Täter verhinderten. Hinweisen auf den Aufenthaltsort Moros, sowie den Aufenthaltsort der Täter wurde nicht nachgegangen. Der italienische Carabinieri-General Della Chiesa, der Erfolge bei der Aufarbeitung des Falles hatte, wurde nach Palermo versetzt und ermordet. DieTäter sind bis heute unbekannt und werden in Reihen der Mafia vermutet.
Als 1990 durch den italienischen Untersuchungsrichter Felice Casson das sogenannte Gladio-Netzwerk mit seinen Verbindungen zum amerikanischen Geheimdienst CIA aufgedeckt wurde, forderten Politiker der Grünen eine parlamentarische Untersuchung auch in Deutschland. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl verweigerte jedoch die Einsetzung einer Untersuchungskommission.
Damals waren in der Bundesrepublik Deutschland andere Dinge wichtiger. Die Verträge zur Wiedervereinigung mussten ausgehandelt werden und die ersten freien Wahlen waren zu organisieren.
Am Ende blieben vier nichtssagende DIN-A 4 Seiten für die deutsche Öffentlichkeit zum Thema „Stay-behind“, so der Name der geheimen Nato-Armee in Deutschland. Bis heute bleiben in Deutschland viele Fragen nach geheimdienstlichen Netzwerken und deren Zielen in Zusammenhang mit dem roten Terrorismus offen. Auch die Frage ob weitere Taten auf das Konto von sogenannten Einzeltätern oder von Netzwerken gleich welcher Art gehen, bleibt bis heute unbeantwortet.


