„Anlässlich der Armenischen Kulturtage in Stuttgart möchte ich mich bei den Organisatoren, insbesondere dem Vorstandsvorsitzender der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg, Berc Takesian, für die Einladung zu einem sehr gelungenen Galakonzert am 28. Oktober im Evangelischen Gemeindesaal in der Büchsenstraße bedanken. Hier haben hervorragende Musiker ihre Leistungsfähigkeit demonstriert und sich dabei als sehr sympathische Botschafter der armenischen Kultur vorgestellt, wie etwa der international renommierte Violinenvirtuose Emmanuel Tjeknavorian. Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn wurde, auch das ist nicht unbedingt allgemein bekannt, nunmehr 16 Jahre von dem herausragenden und ebenfalls international sehr renommierten armenischen Dirigenten Ruben Gazarian geleitet, aufgrund seiner Verdienste bereits Träger der Goldenen Münze der Stadt Heilbronn, der anlässlich der Gala aus den Händen des Botschafters den Kulturstaatspreis der Republik Armenien entgegennehmen durfte. Zu dieser hohen Ehrung möchte ich dem Preisträger herzlich gratulieren“, so Emil Sänze, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg.

Offizielle Vertreter der Landesregierung? Fehlanzeige!

„Mir scheint nun aber merkwürdig, dass ich scheinbar leider als einziger der eingeladenen Landtagsabgeordneten in den Genuss dieses Konzerts gekommen bin. Zumindest habe ich keine anderen Landesvertreter gesehen, und auch unsere in der Öffentlichkeit so präsente Landtagspräsidentin Frau Aras nicht. Schade, ich finde, sie hat auf jeden Fall einen Kulturgenuss verpasst!“, meint Emil Sänze weiter. „Es ist doch so, dass sich die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg e.V. die Mühe gemacht hat, diesen hochkarätig besetzten Anlass zu organisieren. Der armenische Botschafter hat den Anlass gewürdigt und einen Landsmann und Musiker ausgezeichnet, der in Deutschland zur ersten Riege der Orchesterleiter gehört. Es hätte doch dazu gehört, dass auch Vertreter von Landesregierung und Landtag diese Mühe einer gut integrierten, kulturell hochproduktiven Volksgruppe würdigen, einer erstrangigen Kulturnation, die bereits am Anfang des 4. Jahrhunderts das Christentum als Staatsreligion nebst einer eigenen Schrift – am Beginn des 5. Jahrhunderts – eingeführt hat, an diesen Glauben auch unter drückender Fremdherrschaft stets tapfer gehangen hat und uns Europäern darum besonders nahesteht. So ist Armenien heute auch Mitglied des Europarates und sucht die Assoziierung mit der EU.“

Armenischer Genozid wird wieder einmal ignoriert

„Gerade aber weil der Name Armenien in Deutschland zuvorderst mit dem türkischen Genozid während des Ersten Weltkrieges (1915) verbunden ist, wundert mich die mangelnde Präsenz unserer einheimischen politischen Klasse sehr, die doch vordergründig stets um ‚Gedenkkultur‘ bemüht ist. Man könnte da manchmal fast meinen, manche Opfer würden weniger gewürdigt als andere – oder ihre Leiden seien weniger interessant, wenn man sie nicht mit politischen Forderungen an die einheimische deutsche Mehrheitsgesellschaft verknüpfen kann“, resümiert Sänze seine Eindrücke. „Ich halte fest: Niemand aus unserer sich so weltoffen gebenden Stuttgarter politischen Funktionselite war da und hat sich für das Angebot der kleinen, aber feinen armenischen Diaspora interessiert oder dem Botschafter die Ehre gegeben. Hier hätten sie nämlich lernen können, was kulturelle Bereicherung tatsächlich bedeutet. Vielleicht waren die abwesenden Herrschaften ja durch die hessischen Wahlen in Beschlag genommen. Und das bringt mich auf einen weiteren Gedanken: Selbst nach dem Zerfall der UdSSR waren in Armenien niemals exkommunistische Parteien an der Regierung beteiligt, etwas, das die hoch kultivierten Armenier uns Deutschen ganz offensichtlich voraushaben!“